Im Internet liegt die Piratenpartei bei den Umfragen weit vorne, und wo man hinschaut liest man, „Klar machen zum ändern“ und ähnliches. Mich erstaunt es schon etwas, mit wie viel Selbstsicherheit die meisten Piraten im Web auftreten. Aber wenn man sich richtige Wahlumfragen anschaut (also Umfragen die im „Real Life“ durchgeführt werden) dann kann man schnell erkennen das die Piraten deutlich unter der 5 % Hürde bleiben werden. Ich habe aber das Gefühl, dass dies bei den meisten Unterstützern der Piraten einfach noch nicht wirklich angekommen ist, wahrscheinlich gerade weil es sich nicht in der digitalen Welt (früher hätte man vielleicht auch Hyperspace sagt) abspielt und es zeigt wie eingeschränkt, wenn nicht weltfremd die Wahrnehmung der Piraten ist.

Die Piraten haben aufgezeigt, dass die etablierten Parteien bisher nicht in der Lage gewesen sind ihre Politik an die neuen Gegebenheiten des digitalen Zeitalters adäquat anzupassen. Aber die Sichtweise der Piraten scheint vor allem aus der digitalen Welt in die reale Welt zu erfolgen und so übersehen sie elementarste Themen. Sozial-, Umwelt- und Gesundheitspolitik scheint einfach nicht zu existieren oder als zu unwichtig, als das man sie erwähnen müsste, eingestuft zu sein. Wenn man sich die „Wirtschaftspolitik“ die Piraten anschaut, scheinen sie voll und ganz Marktliberale zu seien. In der Bildungspolitik gibt sicherlich es ein paar gute Ansätze, aber auch diese scheinen doch recht oberflächlich zu sein.

Ich möchte die Piraten gar nicht mit den etablierten Parteien messen, aber sie werden meiner Meinung nach ihrem eigenem Anspruch eine wirklich wählbare Alternative und mehr als eine Protest und Raubkopierer/Internetpartei zu sein nicht wirklich gerecht. Wenn die Piraten wirklich etwas ändern wollen ohne ihre Kompetenzfelder massive auszubauen, was recht aufwendig ist, da ihnen einfach die Mitglieder mit dem entsprechenden Wissen fehlen, würde ich ihnen raten eine etablierte Partei massenhaft zu unterwandern. So können sie die bestehen Strukturen und vor allem auch das Expertenwissen in vielen ihnen fremden Gebieten zu nutzen, und so eine nachhaltige Änderung in der Realpolitik zu erreichen.

Aber die Motivation vieler Piraten scheint gerade ja auch der Protest, die Gegenkultur zu sein. Es ist eine harmlose, (klein?)bürgerliche Art zu rebellieren, ohne das man sich auf unbekanntes Terrain bewegt. Es ist eine Lobbypartei, die fast ausschließlich die Interessen eine Minderheit vertritt, deren größter gemeinsamer Nenner jedoch das Internet, bzw die Internetaffinität zu sein schein. Es geht den Piraten nicht um Bürgerrechte, es geht den Piraten nur um ihre Bürgerechte im Netz bzw in der digitalen Welt. Andere wichtige Grundrechte scheinen die Piraten einfach nicht auf ihrem Radar zu haben, weil sie das Internet gar nicht oder kaum tangieren. Deswegen sind die Piraten für mich keine wirkliche Bürgerrechtspartei, auch wenn es ihrer Selbstwahrnehmung durchaus entspricht. Ihr Verhalten kommt mir teilweise gerade zu autistisch vor, und man merkt an dem Auftreten vieler Piraten im Internet das sie oft durchaus ein sehr eingeschränktes bzw einfaches Weltbild haben.

Die Piratenpartei ist der Versuch, einer technikverliebten wenn nicht sogar von technokratischen und (neo)liberalen Gedankengut durchzogenen, eher unpolitischen und entsolidarisierten Generation, doch noch ihrer Rolle in der Poltik, in dem demokratischen System zu finden, was ich für gut und wichtig halte. Ich aber fühle mich von dieser Partei nicht vertreten, ich will mehr. Ich will eine linke, eine solidarische Politik, eine Politik die nicht nur die Interessen weniger unterstützt, und das können mir die Piraten (noch?) nicht bieten.