Wie jetzt? Links? Rechts? Als kundiger Leser und Denker musste es einem schon früher aufgefallen sein. Mal ganz davon abgesehen, dass sich die kompletten Ansichten eines Menschen - also seine Meinung zu jedem Thema der Politik - nicht in so ein Schema pressen lassen, haben links und rechts mehr gemein, als sich das der über ein chronisch gutes Gewissen verfügende Linke wünschen würde. Zumindest wenn man von den extremen Rändern spricht.
Das wurde selten so deutlich wie vergangene Woche beim sogenannten Schülerprotest "Bildungsblockaden einreißen!".

Wer das SpON-Video noch nicht gesehen hat, sollte dies unbedingt nachholen. Ich will den Schülern, die in diesen Strudel des Wahnsinns wohl eher hineingerissen wurden, weniger Vorwürfe machen, als den linksautonomen Honks, die die Chance ergriffen, um ihre  - gelinde gesagt - wenig reflektierte "Kapitalismuskritik" kundzutun. Von den Schülern wussten ja viele nicht mal, warum sie da waren.
Zurück zu den "linken Protestlern": da stellt sich dieser junge Kerl vor die Kamera, nachdem die Meute eine Veranstaltung an der HU ("Managementinitiative für Patentschutz an Unis") gestürmt hat, und beschimpft und verhöhnt sie pauschal als "Schweine", den Mob hinter sich wissend.  Ab da geht einem die ganze Peinlichkeit dieser Aktion auf. Die "Anticapitalista"-Rufe machen die Sache nicht besser. Im Gegenteil: Es kommt schlimmer, die selbsternannten "Kapitalismuskritiker" nehmen sich der jüdischen Unternehmer an. Auch Schweine. Alles Schweine. Also wird die Ausstellung zur Enteignung eben jener jüdischen Unternehmer in Berlin im dritten Reich kurzerhand verwüstet. Und um ja nicht den Eindruck zu ermitteln, das sei nur ein blöder Zufall gewesen, schreit noch einer "Scheiß Israel!", was vollständig klarmacht, wie sich Antisemitismus heutzutage gerne tarnt - als plumpe "Israelkritik"! Und das auch noch von links.
Ja, das gute alte Feindbild, endlich hat man wieder eins. Wieder? Naja, vielleicht eher immer noch. Der Unternehmer eben. Und im Zweifel sind das ja alles Juden, die sich in einem Geheimbund der Zionisten die Macht auf der Welt aufteilen und von der unsichtbaren "Israel-Lobby" vertreten werden. Jaja...kennt man. Die Neue Zürcher Zeitung spricht sehr treffend von einem "antisozialdemokratischem Impuls" und dem "treuherzigen Glauben an die böse ’Autorität’", die letzlich einfach dem "Biedermeier-Inventar" entliehen sind.

Und so schließt sich der Kreis. Links gleich Rechts. In diesem Fall absolut zutreffend. Auch die NPD ist gegen Globalisierung und will Manager am liebsten einsperren. Der Unterschied ist die Aufmerksamkeit und die öffentliche Resonanz. Auf "Gegen Rechts" kann man sich einigen. Wer würde was dagegen sagen?
Ein schönes Beispiel war die Verhinderung des von "Pro-Köln" veranstalteten Anti-Islamisierunskongresses in Köln vor einigen Wochen. Da feiert sich eine ganze Stadt selbst, wie toll sie die Rechten vertrieben hat, ohne zu merken, dass sie selbst verfassungsrechtlich verbriefte Grundrechte verletzt hat. So weh das tut, aber auch diese Leute haben ein Versammlungrecht und Recht auf freie Meinungsäußerung. Lasst sie doch reden, kommt eh nur Blödsinn raus! Man muss nur zu Ende denken, was dieser politisch korrekte sich anti-rechts gebende Zeitgeist anzurichten im Stande ist. Meine Meinung: diese Pro-Köln Leute oder die NPD-Schwachköpfe aus der sächsischen Schweiz sind genauso hohl wie die linken Punks, die die HU gestürmt haben. Nur weniger gefährlich: rechtes Gedankengut hat heutzutage keine Chance in Deutschland. Rechtes Gedankengut, das sich links tarnt, hingegen - augenscheinlich - schon.