Am letzten 29.Januar ist Paco Vidarte an der Folgen von einem malignen Lymphom, verbunden mit HIV gestorben. Er war 37. Mit ihm ist einen der wichtigsten Theoretiker der LGTBQ (Lesbisch, Gay -Schwul-, Transsexuell, Bisexuell, Queer) Bewegung und einen der engagiersten und polemischsten Denker Spaniens verschwunden. Er war ein ausgezeichneter Kenner der Dekonstruktion Derridas, der French Theory und der Psychoanalyse, und auch ein wichtiger Vertreter der Queer Theory, der immer gegen die Institusionalisierung, die Akademisierung und die Neutralisierung der soziale Kämpfe revoltierte. Außerdem war er einer der lebendigsten, großherzigsten und unbezähmbarsten Menschen, die ich kennengelernt habe. Seine Energie, sein Zorn und seine Großzügigkeit leben in seinen Texte fort. 

 

 

 Hier ein Textausschnitt aus seinem letzten Buch, Schwule Ethik [Ética marica], aus dem Spanisch übersetzt, das uns eine scharfe Einsicht in den Gefahren der Stabilisierung der ofiziellen LGTBQ-Bewegung vermacht hat: 

 

“Es genügt nicht, Schwul zu sein, um die eigene Existenz zu rechtfertigen. Es genügt nicht, Schwul zu sein, um als guter Kerl angesehen zu werden. Armer, Schwarzer, Lesbierin, Arbeitsloser, Proletarier oder Obdachlos zu sein, genügt nicht, um von den übrigen Leuten gar nichts wissen zu wollen, da wir schon genug damit haben, Schwarzer, Schwul oder Armer zu sein, um sich noch um die Anderen Sorgen zu machen, außer wenn sie mit uns Streit anfangen [...]. Wenn so etwas wie eine LGTBQ Ethik vorstellbar und wünschenswert ist, müsste sie von der Tatsache ausgehen, dass der Kampf gegen Homophobie nicht isoliert, abziehend vom übrigen sozialen Unrecht und Diskriminierung stattfinden kann, sondern dass der Kampf gegen Homophobie nur innerhalb einer Konstellation gemeinsamer solidarischen Kämpfe gegen jede art Unterdrückung, Ausgrenzung, Verfolgung und Diskriminierung möglich und wirklich wirksam ist. Ich wiederhole. Nicht aus Barmherzigkeit. Nicht weil uns abgefordert wird, die bravste Leute zu sein. Nicht weil wir Superschwule sein müssen. Sondern weil Homophobie, als systemischer Form der Unterdrückung, ein sehr dichtes Netz mit den übrigen Forme der Unterdrückung herausbildet, und mit dieser in einer Weise verbunden und artikulliert ist, dass, wenn man von einem Ende zieht, der Knoten an dem anderen Ende fester, und, wenn man eine Seite auflockert, die andere Seite gespannt wird. Wenn eine Frau misshandelt wird, wirkt es in der Homophobie der Gesellschaft nach. Wenn ein Schwuler gesteinigt wird, wirkt es in der Rassismus der Gesellschaft nach. Wenn ein Arbeiter von seinem Arbeitgeber ausgebeutet wird, wirkt es in der Frauenfeindlichkeit der Gesellschaft nach. Wenn ein Schwarzer von den Nazis angegriffen wird, wirkt es in der Transsexuellefeindlichkeit der Gesellschaft nach. Wenn ein Kind getauft wird, wirkt es in der Lesbienfeindlichkeit der Gesellschaft nach”.

 
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